Umstellung auf H-Gas

Damit die Erdgasversorgung in Deutschland sicher bleibt, bekommen Verbraucher künftig mehr Erdgas aus anderen Ländern.

Hohe Türme und graue Stahltanks inmitten von Feldern und Wiesen – in der Erdgasförderregion Niedersachsen ist das ein vertrauter Anblick. Bislang kommen rund elf Prozent unseres Erdgases aus inländischen Quellen. Doch ein Ende der Förderung ist absehbar, die Vorkommen gehen langsam zu Ende. Gleichzeitig haben die Niederlande als wichtigster Lieferant in der Nachbarschaft angekündigt, ihre Förderung drastisch zu drosseln. Um die fehlenden Mengen auszugleichen, wird Deutschland künftig mehr hochkalorisches Gas (H-Gas) mit höherem Brennwert aus Russ­land, Norwegen und anderen Quellen importieren. Dafür passen die Netzbetreiber und Versorger die Infrastruktur an den neuen Brennstoff an.

Megaprojekt Gasumstellung

Die Erdgasumstellung – offiziell „Marktraumumstellung“ genannt – ist eines der größten Infrastrukturprojekte der deutschen Erdgaswirtschaft, seit es die leitungsgebundene Versorgung gibt. Davon betroffen sind gut vier Millionen Erdgas­kunden. Bislang werden Haushalte in Deutschland in getrennten Leitungssystemen mit zwei verschiedenen Sorten von Erdgas beliefert: ein Teil, vorwiegend im Norden und Westen Deutschlands, bekommt bislang noch das in den Niederlanden und in Deutschland geförderte niederkalorische L-Gas mit niedrigerem Brennwert.

Ein größerer Teil der Verbraucher verwendet bereits jetzt hochkalorisches H-Gas aus Russland, Norwegen und Großbritannien, das mehr Methan enthält und einen höheren Brennwert besitzt. Im Rahmen der Erdgasumstellung sollen bis zum Jahr 2029 alle Erdgaskunden mit H-Gas heizen und kochen. Das Erdgasnetz und die Endgeräte müssen an die veränderte Erdgasqualität angepasst werden. Die Umstellung ist gesetzlich geregelt. Die Grundlage dafür findet sich im Energiewirtschaftsgesetz, Paragraf 19a: Umstellung der Gasqualität.

Die Versorgung mit H-Gas wird ebenso sicher und verlässlich sein wie die mit L-Gas. Da L-Gas jedoch andere Brenneigenschaften als H-Gas hat, müssen an allen betroffenen Erdgasgeräten die Düsen und andere Bauteile ausgewechselt werden, um eine optimale Verbrennung des neuen Erdgases zu gewährleisten. Ohne Austausch kann es bei älteren Heizkesseln im ungünstigsten Fall zur Bildung von giftigem Kohlenmonoxid kommen.

Erdgaskunden bekommen in der Regel zweimal Besuch von einem Techniker, dann ist der Austausch erledigt: Im ersten Schritt erfassen die Stadt­werke alle Erdgasgeräte wie Heizungsanlagen, Gasherde, Gasöfen und Warmwasserbereiter im Versorgungsgebiet. Dabei prüft der Monteur auch, ob mit dem Gerät alles in Ordnung oder eine Wartung oder Reparatur nötig ist. Im zweiten Schritt kommt ein von den Stadtwerken beauftragter Fachmann in die Haushalte und rüstet die Geräte um. Über eine Abgasmessung dokumentiert der Monteur, dass das Gerät korrekt eingestellt ist. Manchmal klingelt es noch ein drittes Mal: Dann überprüft ein Mitarbeiter der Stadtwerke stichprobenartig die Qualität der Anpassung.

Der Preis bleibt gleich

Für die Umstellung der Erdgasgeräte entstehen den Besitzern keine Kosten. Ganz wichtig: Für den neuen Brennstoff zahlen die Kunden nicht mehr als für den alten. Erdgas wird in Kilowattstunden (kWh) abgerechnet. Da H-Gas einen höheren Brennwert hat, werden mit weniger Volumen mehr kWh geliefert, Verbraucher werden weniger Kubikmeter (m³) auf ihrem Zähler ablesen. Kurz gesagt: Für den gleichen Heizeffekt wird weniger Gas benötigt.

Übrigens: Erdgasautos sind von der Umstellung nicht betroffen. Ihre Motoren erkennen die Erdgasart automatisch